Casa Europa steht für vielfältige europäische Kontakte und Austausche zwischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen und kennzeichnet den Aufbau eines Europas von unten.
Ausgangspunkt des Projektes Casa Europa ist die Arbeit des Aus- und Fortbildungsverbundes (AuF) im Landkreis Kassel e.V., welcher seit 1986 jungen Menschen ohne Arbeit und Ausbildung konkrete Hilfe bei der Berufs- und Lebensplanung bietet. Verwirklicht wird dies im Rahmen von Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen, in denen denkmalgeschützte, aber vom Verfall bedrohte Gebäude auf- und ausgebaut und einer neuen Bestimmung übergeben werden.
Parallel zu diesen Qualifizierungsmaßnahmen wurden vom AuF vielfältige europäische Kontakte aufgebaut und gepflegt, darunter auch die seit nunmehr zehn Jahren bestehende Kooperation zu den südspanischen Kommunen Cehegin, Bullas und Calasparra in der Region Murcia.
Zahlreiche internationale Jugendbegegnungen, an denen nicht nur deutsche und spanische Jugendliche, sondern auch junge Menschen aus Italien, Dänemark, England und Schweden teilnahmen, sind Spiegelbild dieser europäischen Kooperationen. Begegnungen, die geprägt sind von gemeinsamer Projektarbeit im handwerklichen und künstlerischen Bereich, vom partnerschaftlichen Arbeiten und Lernen. Und die zum Ausbau des Wasserschloßes Wülmersen zu einer internationalen Jugend- und Kulturwerkstatt mit Jugendzeltplatz und Aktionsmuseum für Agrartechnik geführt haben.
Mit der Einrichtung der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Wülmersen entstand gleichsam das erste Casa Europa, in dem Jugendliche aus europäischen Regionen sich kostengünstig treffen können.
1995 kam ein weiteres hinzu: Am Ortsrand der Altstadt der Kommune Cehegin (Region Murcia) wurde eine alte Villa erworben, bei weiteren Begegnungen zwischen Jugendlichen um- und ausgebaut und nunmehr in gemeinsamer Verantwortung der spanischen und deutschen Partner getragen.
Mittlerweile entsteht das dritte Casa Europa in der italienischen Provinz Forli/Cesena (Emilia Romagna). Die Kommune Sarsina, Partnerstadt der Stadt Grebenstein im Landkreis Kassel, hat die Idee einer internationalen Begegnungsstätte aufgegriffen. Seit dem Frühsommer 1997 wird dort, auch unter aktiver Beteiligung von Auszubildenden des Maurerhandwerks der Kreishandwerkerschaft Hofgeismar-Wolfhagen, eine ehemalige Grundschule für diesen Zweck umgebaut.
Die drei Casa Europa bilden gemeinsam das Rückgrat eines neuen europäischen Projektes gleichen Namens, das zukünftig in einem weiten Verbund münden soll.
Viele Häuser in verschiedenen Regionen Europas sollen entstehen und vernetzt werden, die alle dem Zweck dienen, Jugendlichen einen Einblick in den Alltag, die Kultur und die Geschichte anderer Länder zu ermöglichen. Das Lernen anderer Sprachen, von Arbeitsweisen und -techniken an konkreten Projekten und in Workcamps, Seminaren und Kursen hilft beim Abbau von Verständigungsschwierigkeiten und Mentalitätsunterschieden und ist tragende Stütze eines gemeinsamen europäischen Hauses. Das Casa Europa mit konkreten Inhalten und Leben zu füllen, bleibt dabei - trotz der Beteiligung vieler Initiativen, Institutionen und Organisationen in den europäischen Partnerregionen - eine ständige Herausforderung.